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Projekt des Monats Oktober 2006

Steinfurt nutzt Biogas optimal

Das Kreishaus in Steinfurt wird seit dem letzten Frühling mit Strom- und Wärme aus einer Biogas-BHKW-Anlage versorgt. Geliefert wird das Biogas von der dazu extra gegründeten Bioenergie Steinfurt GmbH & Co. KG.


Bislang wurden Biogasanlagen überwiegend von landwirtschaftlichen Betrieben bis zu einer Größe von ca. 100 bis 150 Kilowatt elektrischer Leistung (kWel) mit Kofermenten gebaut. Hierdurch konnte die entstehende Abwärme in der Biogasanlage, den Ställen des landwirtschaftlichen Betriebes sowie in den Wohnhäusern in unmittelbarer Nähe genutzt werden.

Durch das novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) können inzwischen aber auch betriebswirtschaftlich interessante Anlagengrössen zwischen 450 kWel und 3.000 kWel realisiert werden. Allerdings liegt der "Knackpunkt" häufig in der sinnvollen Verwendung der thermischen Energie. Für die anfallenden großen Wärmemengen stehen in unmittelbarer Nachbarschaft nur selten interessante Verbraucher zur Verfügung. Die Verlegung von Fernwärmeleitungen über größere Distanzen scheitert dagegen an erheblichen Investitionskosten für die Erdarbeiten und Fernwärmeleitungen. In Steinfurt wurde dieses Problem vorbildlich gelöst.

Im Mai erst weihte Umweltminister Uhlenberg die neue Anlage ein. Insgesamt werden zwei Block-Heiz-Kraft-Werke (BHKW) betrieben. Neben einem BHKW mit 347 kW Leistung unmittelbar neben der Biogasanlage wird über eine 3,6 Kilometer lange Leitung am Kreishaus ein weiteres BHKW mit einer Leistung von 536 kW mit Biogas versorgt. Über ein Nahwärmenetz in Kraft-Wärme-Kopplung wird die Wärme von dort an die Abnehmer verteilt. Der im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantierte KWK-Bonus von 2 Cent pro eingespeister kWh Strom sorgte für eine wirtschaftliche Umsetzung des Vorhabens.

Erstmals in NRW wurden nun ein innovatives Konzept zwischen den Biogasanlagenbetreibern und den öffentlichen Stellen entwickelt und realisiert. Die Bioenergie Steinfurt GmbH & Co. KG in Steinfurt-Hollich reinigt das erzeugte Biogas von Schwefelanteilen und sonstigen Schadstoffen, speichert überschüssiges Gas zwischen, trocknet und verdichtet das Biogas, damit es dann ohne Wärmeverluste zur "Wärmeinsel Kreishaus" transportiert werden kann. Die dort bei der Stromerzeugung anfallende Wärme wird an den Kreis Steinfurt verkauft, um damit das Kreishaus, das Gebäude der Wirtschaftsförderung, das Gesundheitsamt, eine Schule mit Sporthalle und ein Altenwohnheim zu beheizen. Auch die Anbindung des örtlichen Freibades, einer Behindertenwerkstatt sowie einer Real- und einer Hauptschule sind in Zukunft möglich.

 

Die Versorgung der Biogas-Anlage mit Rohstoffen haben 46 Landwirte aus dem Kreis übernommen, die auf 10 Jahre ihre Maisernte an die Bioenergie Steinfurt GmbH & Co. KG verkauft haben.

 

Innovativ ist in Steinfurt neben der dezentralen Anordnung, d.h. die räumliche Trennung von Biogasanlage und BHKW, auch die Finanzierung. So wurde die Finanzierung der Biogasleitung und des BHKW von den Landwirten übernommen, die als Contractoren auftreten.

Mit diesem landesweit einmaligen Projekt stärkt der Kreis Steinfurt nicht nur die Entwicklung der Energiewirtschaft als zusätzliches Standbein für die heimische Landwirtschaft, vielmehr wird darüber hinaus herausgestellt, dass die Nutzung von Biogas und Biomasse den Vergleich mit Erdgas und Erdöl nicht scheuen muss. Würde die Beheizung des Kreishauses durch Erdgas erfolgen, so lägen nach Berechnungen der Kämmerei die Kosten im Vergleich zu Biogas derzeit um mehr als 34.000 € pro Jahr höher.

Dieses innovative Projekt ist eines von vielen beispielhaften Agenda-21-Projekten im Kreis Steinfurt. Aus dem Agenda-21-Prozess heraus hat sich im Jahr 2002 eine Standortoffensive für erneuerbare Energien entwickelt. Bestandteil dieser Offensive sind u. a. regelmäßige Treffen der Arbeitsgemeinschaft Biogas. Hier tauschen Landwirte, Vertreter regionaler Unternehmen und Ingenieurbüros, Vertreter aus Wissenschaft und Forschung und Vertreter der zuständigen Behörden Erfahrungen aus und entwickeln innovative Projekte. Auch die Idee das Kreishaus mit Biogas zu beheizen hatte hier ihren Ursprung. Die Zusammenarbeit in diesen regionalen Netzwerk trägt Früchte. Betrug die installierte Biogasleistung im Kreis Steinfurt Mitte 2003 gerade einmal 0,7 Megawatt, so wird 2006 mit etwa 20 Anlagen die 10 MW-Grenze überschritten, für Ende 2007 rechnet man im Kreis Steinfurt sogar mit 14 bis 15 Megawatt.

   

Daten der Anlage'
 

Anschluss ans Stromnetz

2005
   

Einweihung der
Gesamtanlage
  

15. Mai 2006
  
  

Art der Anlage

Biogasanlage

  • zentrale Technikhalle mit 500 m2 Grundfläche
  • 3.500 m2 Silagefläche
  • 2 Zentralrührwerks-Fermenter á 1.840 m3 Faulraum
  • Gärproduktlager für flüssigen Gärdünger 2 x 5.000 m2
  • Gasspreicher 1.500 m3
  • externe Entschwefelung für 650 m3 /h Biogas
  • Gastechnikcontainer mit Gastrocknung und Gasverdichtung für 650 m3 /h Biogas

Art der Substrate

30 t Mais
3 t Mist
5 - 15 t Schweinegülle
5 - 15 t Rindergülle
10 t Sonstiges (Hafer, GPS etc.)
   

Nährstoffkonzept

Der Gärrest wird als Pflanzennaturdünger auf den landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht.
  

Elektrische Leistung

Insgesamt 883 Kilowatt (kWel)

  • 347 kWel am Standort der Biogasanlage
  • 536 kWel am Kreishaus Steinfurt

Thermische Leistung

Insgesamt 890 Kilowatt (kWth)

  • 388 kWth am Standort der Biogasanlage
  • 505 kWth am Kreishaus Steinfurt

Investitionskosten

Ca. 3,4 Millionen Euro (Mio. €)
   

Voraussichtliche Stromproduktion pro Jahr
   

6.000.000 kWh/a elektrischen Strom
   
   

Voraussichtliche Wärmeproduktion pro Jahr
   

2.600.000 kWh/a Wärme netto (ohne den Eigenbedarf der Anlage)
  
  

Informationen und Kontakt:
Dipl.-Ing. Ulrich Goedecke, EnergieAgentur.NRW - Energieberatung, Tel. 0202-24552-16, ulrich.goedecke@ea-nrw.de

Weitere Infos:
Herr Ahlke, Kreis Steinfurt, Tel. 02551-69-2559, ulrich.ahlke@kreis-steinfurt.de
oder Dipl.-Ing. Sven Nefigmann, Geschäftsführer Bioenergie Steinfurt GmbH & Co. KG, Tel. 02551-701746, nefigmann@bioenergie-steinfurt.de

 
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